PCOS und Genetik

von | Mrz 23, 2024 | Allgemein, Frauen, Gesundheit, Hormone, Lifestyle | 0 Kommentare

Dunkle Haare an Oberlippe und Kinn, auf dem Rücken und Oberschenkeln, tiefe Stimme und keinen Eisprung, alles was wir uns bei einem Mann wünschen, aber nicht bei uns selbst!

Wenn zu viele Androgene, also männliche Geschlechtshormone, im Spiel sind, dann verlieren wir ein Stück weit unsere Weiblichkeit. Das PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) ist die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen im gebärfähigen Alter und die häufigste Hormonstörung. Wenn dir diese Symptome also bekannt vorkommen, du bist nicht allein!

Deborah Rittwagen

Das Problem mit diesem Krankheitsbild, wir wissen noch relativ wenig darüber. Nicht einmal eine genaue Eingrenzung ist verfügbar, bzw. die unterschiedlichen Organisationen sind sich nicht einig. Am bekanntesten sind immer noch die sogenannten „Rotterdam-Kriterien“, dabei müssen mindestens zwei der folgenden Symptome gegeben sein:

  • Polyzystische Ovarien (aktuell mindestens 12 Zysten am Eierstock, Perlenkettenartig)
  • Hyperandrogenismus, also zu viele männliche Geschlechtshormone
  • Chronische Anovulation, also ein Ausbleiben des Eisprung, mit meist langen Zyklen

Auch Umweltfaktoren, Stress und Gifte, haben Einfluss auf das Entzündungsgeschehen in unserem Körper.

Der Begriff „polyzystisches Ovarialsyndrom“…

…ist also eigentlich irreführend, weil es nicht zu Zysten am Eierstock kommen MUSS. Vielleicht leidest du auch nur unter einem Hyperandrogenismus, damit würdest du trotzdem in die „Kategorie“ PCOS gehören.

Ein weiteres großes Problem ist die Diagnose, es wird vermutet, dass deutlich mehr Frauen unter einem PCOS leiden, als angenommen wird. Viele Frauen sind lange mit dem Problem alleine, können sich die Symptome nicht erklären und suchen nach Hilfe.

Auch bei der Einteilung der PCOS-Typen herrscht allgemeine Verwirrung, während diverse Hormoncoaches ihre eigene Einteilung erfunden haben, werden die  offiziellen

„Rotterdam Phänotypen“ nach Symptomstärke eingeteilt:
  • Typ A: Hyperandrogenismus, Anovulation, polyzystische Ovarien im Ultraschall.
  • Typ B: Hyperandrogenismus, Anovulation und keine Zysten vorhanden.
  • Typ C: Hyperandrogenismus, polyzystische Ovarien und regulärer Zyklus.
  • Typ D: Anovulation, polyzystische Ovarien, aber keine Zeichen für Hyperandrogenismus.
Deborah Rittwagen PCOS

Typ A ist dabei das Vollbild des PCOS. Diese Frauen zeigen häufig auch eine Neigung zu Übergewicht. Insgesamt leidet aber die Mehrheit der Betroffenen (70%) an Übergewicht und fast alle haben eine verminderte Insulinsensitivität. Durch hohe Insulinspiegel wird das steroidbindende Hormon (SHBG) reduziert und in der Folge kann weniger Testosteron gebunden werden. Es befindet sich dann mehr freies, wirksames Testosteron im Blut und führt zu einer Vermännlichung. In einer Therapie möchten wir die Symptomstärke der Krankheit reduzieren und bestenfalls alle Symptome beseitigen.

Aber ist PCOS „heilbar“?

Dafür müssen wir uns zuerst die genetische Komponente des Syndroms anschauen. PCOS ist wahrscheinlich keine Erkrankung der Neuzeit, zumindest gibt es Hinweise aus Überlieferung von Hippokrates und aus dem Mittelalter, in denen Amenorrhoe und Vermännlichung beschrieben werden. Wissenschaftler nehmen sogar an, dass die Ursprünge dieser Erkrankung noch früher zu finden sind und zwar in paläolithischen Jäger- und Sammlerverbänden.

Zu einer Zeit, in welcher die Resilienz des Einzelnen für das Überleben ausschlaggebend war, sorgte womöglich die Vermännlichung, durch hohe Androgenspiegel, für einen robusteren Typus. Außerdem könnte es von Vorteil gewesen sein, mehr Fett zu speichern und durch eine Insulinresistenz die postprandiale Thermogenese zu reduzieren. Während Hungerphasen, stabilisierte sich dann der Metabolismus, die Insulinsensitivität wurde verbessert, die Androgenwirkung sank, durch erhöhte SHBG-Spiegel und es kam wieder zu Eisprüngen, also auch zu Schwangerschaften.

Ein weiterer Irrglaube, dass du als Frau mit PCOS keine Kinder bekommen kannst! Also sei nicht zu übermutig, wenn dein Frauenarzt das nächste Mal sagt, du musst wegen deinem PCOS nicht verhüten! (Diese Aussage habe ich in der Praxis tatsächlich schon häufig gehört! Häufig kam es im weiteren Verlauf, früher oder später zu einer Schwangerschaft!)

Zurück in die Uhrzeit…

…die Chance, eine geringere Anzahl an Kinder durchzubringen, war höher, als sehr viele Nachkommen großziehen zu müssen. Zudem verfügten die Frauen dadurch über mehr Ressourcen für sich selbst und das Risiko, während einer Geburt zu versterben, sank durch die verminderte Geburtenrate[1].

Die genetische Neigung zu PCOS wurde vermutlich über Jahrtausende weitergegeben. Frag doch einfach einmal deine Mutter oder Großmutter, ob sie Symptome von sich selbst kennen!

PCOS ist also im herkömmlichen Sinne nicht „heilbar“ wohl aber regulierbar! Und genau da kommt dein Lebensstil ins Spiel!

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Quellen:

[1] Azziz R, Dumesic DA, Goodarzi MO. Polycystic ovary syndrome: an ancient disorder? Fertil Steril. 2011 Apr;95(5):1544-8. doi: 10.1016/j.fertnstert.2010.09.032. Epub 2010 Oct 27. PMID: 20979996; PMCID: PMC3164771

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