HPV: Wie du dein Risiko wirklich beeinflussen kannst

von | März 19, 2026 | Beziehung, Frauen, Hormone, Lifestyle | 0 Kommentare

Was ist HPV?

HPV, bzw Humane Papillomaviren ist eine Gruppe von über 200 Virustypen, welche die Haut und Schleimhäute infizieren. HPV wird primär durch genitalen Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen. Eine Übertragung über oralen Kontakt ist möglich, spielt aber eine untergeordnete Rolle. Die Durchseuchungsrate in der Bevölkerung ist mit 80-90% sehr hoch – heißt die meisten infizieren sich im Laufe ihres Lebens.

Beruhigend: in den meisten Fällen verläuft eine Infektion unbemerkt und der Körper kann das Virus in Schach halten und eliminieren (=Clearance).

Allerdings sind ca. 14 Hochrisiko-Typen bekannt, wenn diese über Jahre bestehen bleiben, können sie zu Dysplasien und schließlich zu Krebs führen. HPV ist weltweit für ca. 99% der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich. Zudem gibt es Niedrigrisiko-Virustypen die zur Entstehung von Genitalwarzen führen können.

Das Risiko für eine Infektion steigt mit der Anzahl der Sexualpartner.

Wenn es zu einer Ansteckung mit einem der Hochrisiko-Typen kommt, erhöht sich das Risiko für eine Persistenz (Voraussetzung für die Krebsentstehung), vor allem, wenn das Immunsystem geschwächt ist, die Vaginalflora gestört ist oder (wer hätte es geahnt) wenn du rauchst.

Bis aus einer Infektion Krebs entsteht, können 10-15 Jahre vergehen und Krebsvorstufen können sich teilweise spontan zurückbilden.

HPV prävention

Persistenz:

„Chronifizierung“ bzw. Überdauern von Erregern im Körper: trotz einer Immunantwort verbleibt der Erreger im Gewebe und wird vom Immunsystem nicht vollständig eliminiert

Clearance:

Beschreibt die erfolgreiche Beseitigung eines Erregers aus dem Körper.

Da ich in meiner Praxis überwiegend mit Frauen arbeite, habe ich diesbezüglich sicherlich einen gewissen Bias, aber ich erlebe relativ häufig auffällige Pap-Werte bei Patienten und auch Fälle, in denen sich daraus ernsthafte Erkrankungen entwickeln.

Fakt ist: Vorsorge ist beim Thema HPV entscheidend. Du solltest wissen, welche Maßnahmen du selbst ergreifen kannst, um dein Risiko zu reduzieren.

Prävention

Ein paar Facts zur HPV-Impfung:

  • schützt vor 9 HPV-Typen (Gardasil 9)
  • deckt ca. 90 % der Zervixkarzinome ab

stärkster Effekt:

  • vor dem ersten Sexualkontakt

Daten zeigen: eine Impfung vor dem 17. Lebensjahr senkt das Risiko um 88%, während eine Impfung zwischen dem 17. Und 30. Lebensjahr das Risiko noch um etwa 53% senkt. Durch aggressives Marketing, Einzelfallberichte zu Nebenwirkungen und fehlenden Langzeitdaten, war die Impfung lange Zeit umstritten. In großen Studien zeigte sich aber inzwischen ein deutlicher Kosten-Nutzen-Vorteil zugunsten der Impfung. Auch schwere Nebenwirkungen durch die Impfung konnten nicht nachgewiesen werden.

Obwohl die Impfung nicht gegen alle krebsauslösenden Virustypen schützt, deckt sie die sieben der insgesamt etwa 14 Hochrisiko-Typen ab, die für den Großteil der Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich (70-90% der Krebsfälle). Zudem schützt sie vor 2 Niedrigrisiko-Typen, welche Genitalwarzen verursachen können.

Ob man sich impfen lassen möchte, ist eine individuelle Entscheidung, die du anhand deines eigenen Risikos und unter Abwägung von Nutzen und Risiken treffen solltest. Nach bisherigen Daten, macht die Impfung vor allem für junge Frauen und vor dem ersten Geschlechtsverkehr Sinn. Allerdings solltest du trotz Impfung regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Screening

Was uns zum nächsten Punkt führt… dem zentraler Pfeiler der Prävention. In Deutschland sollen 20-34 jährige jährlich einen Pap-Abstrich machen, ab dem 35. Lebensjahr wird zusätzlich alle 3 Jahre ein HPV-Test gemacht. Ziel ist es, persistierende HPV-Infektionen und Zellveränderungen früh zu erkennen um schnell handeln zu können.

Die Vorsorgeuntersuchungen haben die Sterblichkeit teilweise um bis 70% senken können, sie sind schnell, einfach und extrem effektiv. Deswegen ist einer der Hauptrisikofaktoren für Zervixkarzinome übrigens eine unzureichende Vorsorge, so zum Beispiel in Entwicklungsländern oder wenn Frauen die Screening-Termine nicht einhalten.

Aber Achtung! Ein auffälliger Pap-Abstrich ist noch keine Krebsdiagnose, sollte aber weiter abgeklärt werden.

Pap-Befund – das bedeuten die Befunde

George Papanicolaou hat den Pap-Abstrich entwickelt, römische Ziffern und Buchstaben helfen bei der Einschätzung des Befundes:

 

  • Pap 0

    • Nicht beurteilbar = Test wiederholen
  • Pap I

    • Gesunde Zellen
  • Pap II-a

    • Alles in Ordnung, aber Auffälligkeiten in Vorgeschichte
  • Pap 2

    • Leichte Veränderung der Zellen, aber kein Verdacht auf Krebs. Diese Zellveränderungen können auch aufgrund von Hormonmangel oder Entzündungen auftreten. Das weitere Vorgehen sollte mit dem Arzt besprochen werden.
  • Pap IIID

    • Deutliche Zellveränderungen, aber kein Krebs. Spontane Rückbildung ist möglich. Engmaschigere Kontrollen können sinnvoll werden.
  • Pap III

    • Unklare Veränderungen, eine Kolposkopie (Scheidenspiegelung) innerhalb 3 Monate ist empfohlen.
  • Pap IV

    • Krebsvorstufen oder Krebs möglich. Eine weitere Abklärung ist unbedingt ratsam, meist in einer Dysplasiesprechstunde und durch eine sofortige Kolposkopie.
  • Pap V

    • Krebsdiagnose sehr wahrscheinlich. Eine Gewebeprobe wird entnommen und eine weitere Abklärung ist nötig.

Lebensstil und weitere Faktoren

Rauchen gilt als klarer Risikofaktor für HPV-Persistenzen und für die Entwicklung von Dysplasien. Das Risiko steigt, je früher mit dem Rauchen begonnen wurde und je mehr Zigaretten am Tag geraucht werden.

Kondome senken zwar das Übertragungsrisiko, aber sie bieten keinen vollständiger Schutz, da bereits Haut/Schleimhautkontakt für eine Übertragung ausreicht.

Sexuelle Exposition, also je mehr Partner du in deinem Leben hattest, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Virus-Kontakt. Damit steigt das Risiko auch, je früher mit dem Geschlechtsverkehr begonnen wurde.

Dein Immunsystem entscheidet wie gut Erreger in Schach gehalten und eliminiert werden. Bei HIV-Infektionen, Immunsuppressionen z.B. durch Medikamente, aber auch durch chronischen Stress, Nährstoffmangel und Darmprobleme, kann das Immunsystem geschwächt werden und die Abwehr funktioniert nicht mehr ausreichend. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die TH1-TH2-Balance. Während TH1-Zellen vor allem Viren bekämpfen (auch den HPV-Virus), so richten sich TH2-Zellen eher gegen Parasiten und steuern allergische Reaktionen. Ein Ungleichgewicht in diesem System kann zu chronischen Erkrankungen oder Allergien beitragen. Eine ausreichende zelluläre Immunantwort (u. a. TH1-vermittelt) ist entscheidend für die Kontrolle von Virusinfektionen.

Eine Lactobacillus-dominierte Vaginalflora wird mit geringerer HPV-Persistenz assoziiert. Während Dysbiosen und bakterielle Vaginosen häufiger mit erhöhter HPV-Persistenz und Dysplasien verbunden sind. Eine dysregulierte Vaginalflora zeigt sich durch einen erhöhten pH-Wert, über den physiologischen Werten von 3,8–4,5 (saures Milieu) und eine erhöhte mikrobielle Diversität, im Gegensatz zum gesunden Zustand, der von wenigen dominanten Lactobacillus-Stämmen geprägt ist. Anaerobe Bakterien wie Gardnerella und Prevotella haben die Oberhand, während schützende und ansäuernde Bakterien wie Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus crispatus und Lactobacillus iners verdrängt werden. Der schützende Effekt des sauren Milieus wird verringert. In Studien zeigen Frauen mit HPV-Infektion eine veränderte Vaginalflora, was auch darauf hindeutet dass die Infektion selbst die Flora negativ verändert und damit die Clearance behindert.

Störfaktoren für die Vaginalflora sind z.B.:

  • Sexuell Übertragbare Krankheiten (eine Chlamydieninfektion verschlechtert nicht umsonst die HPV-Prognose)
  • Medikamente wie die Pille (vermutlich über hormonelle Effekte auf Schleimhaut und Mikrobiom) und Antibiotika
  • Stress
  • Candida-Infektionen (auch Infektionen des Darms und Darmdysbiosen)
  • Schlechte oder übertriebene Hygiene (z.B. Intimdeo, Feuchttücher, Vaginalduschen)
  • Ungeschützter Geschlechtsverkehr. Das männliche Geschlechtsteil und Spermien haben einen basischen pH-Wert, weswegen sie vorübergehend das saure Scheidenmilieu stören. Bei häufigen Vaginalen Infekten und HPV-Infektionen, rate ich deswegen zur vorübergehenden Verwendung von Kondomen

Tipps:

  • Häufig verändert sich die Vaginalflora negativ durch Hormonstörungen und Darmstörungen, wichtig ist dass die Basis in diesen Bereichen funktioniert. Es ist wirklich sinnvoll (vor allem bei wechselnden Geschlechtspartnern) regelmäßig auf sexuell-übertragbare Krankheiten zu testen. Vor allem Chlamydien kommen gar nicht so selten vor und bleiben häufig unbemerkt.
  • Um die Vaginalflora zu unterstützen gibt es vaginale Zäpfchen mit entsprechenden Bakterien (z.B. „Döderlein-Bakterien“).

Was du sofort bei einem auffälligen Pap-Wert unternehmen kannst:

1. Befund einordnen und Verlaufskontrolle sicherstellen. Entscheidend ist häufig der Verlauf, ob es zu einer Persistenz kommt oder nicht. Eine Nachkontrolle macht nach 3-6 Monaten Sinn, bespreche das deswegen unbedingt mit deinem Frauenarzt!

2. Vaginalmilieu stabilisieren! Du kannst teilweise pH-Wert und Milieu beim Frauenarzt testen lassen, inzwischen gibt es aber auch Heimtests. Je nach Befund können z.B. vaginale Probiotika angewendet werden. Außerdem sollten bakterielle Vaginosen oder Pilzinfektionen unbedingt behandelt werden.

3. Immunsystem unterstützen, um die Basis für eine Clearance des Virus zu schaffen: Schlaf- und Stressregulation sind die Grundlage, außerdem kannst du wichtige Blutparameter prüfen, mindestens Vitamin-D, Omega-3-Index, Ferritin, Transferrinsättigung und CRP. Für die Einschätzung der Befunde kann es sinnvoll sein mit einem Profi zu arbeiten.

4. Risikofaktoren reduzieren: Rauchen einstellen, eventuell Darm- oder Hormonprobleme behandeln, chronische Entzündungen reduzieren.

Good News

Eine Forschergruppe um die mexikanische Biomedizinerin Dr. Eva Ramon Gallegos untersucht eine Methode zur Behandlung von HPV-Infektionen. Mittels einer lichtempfindlichen Verbindung und einer Laserwellenbestrahlung, war es zum ersten Mal möglich, gezielt betroffene Zellen zu zerstören, ohne gesundes Gewebe zu schädigen. Diese Ergebnisse müssen sich noch in großen Studien beweisen, aber hoffentlich ist eine minimal-invasive Therapie von HPV in einigen Jahren möglich.

Bei HPV gilt: Vorsorge rettet Leben! Deswegen ist das dein Reminder zu deinen Vorsorge-Untersuchungen zu gehen.

Quellen:

https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/rauchen-beguenstigt-die-krebsentstehung-durch-humane-papillomviren/
https://www.krebsinformationsdienst.de/gebaermutterhalskrebs/pap-test-und-vorstufen#c2593
Dou P, Fang F, Qin R, Nie J, Chen X, Yin X, Wang Y, Shi S. Vaginal flora in HPV infection: a cross‑sectional analysis. J Obstet Gynaecol. 2024 Dec;44(1):2361847. doi: 10.1080/01443615.2024.2361847. Epub 2024 Jun 11. PMID: 38861397.
Sabry AO, Patel BC. Papillome: Ein systemübergreifender Überblick über HPV-assoziierte und HPV-unabhängige Läsionen. [Aktualisiert am 2. Juni 2025]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; Januar 2026–. Verfügbar unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK560737/
Xu C, Liu J. Influence of vitamin D supplementation and the vaginal microenvironment on human papillomavirus infection. Afr J Reprod Health. 2024 Oct 31;28(10):88-98. doi: 10.29063/ajrh2024/v28i10.9. PMID: 39625152.
Zeng M, Li X, Jiao X, Cai X, Yao F, Xu S, Huang X, Zhang Q, Chen J. Roles of vaginal flora in human papillomavirus infection, virus persistence and clearance. Front Cell Infect Microbiol. 2023 Jan 4;12:1036869. doi: 10.3389/fcimb.2022.1036869. PMID: 36683675; PMCID: PMC9848591.

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